Dezember 2025 bis Februar 2026

Von “Ich- weiss bis Ja”

Nun war und ist es so weit: Ich durfte mein erstes Time-out durchführen. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit und des Waldhuis-Projekts hatte ich ziemlich bald drei Anfragen. Jedes Mal musste ich absagen, da ich noch in einem hohen Pensum angestellt war. Das hat mich sehr geärgert.

Nach einer Weile kam dann die nächste Anfrage. Trotzdem gab es noch einige Fragen:

Wie lange? Wer unterstützt? Wie organisieren wir das Ganze?

Dass man ein Time-out nicht durchgehend alleine durchführen kann, wurde schnell klar. Innerhalb weniger Tage musste ich einen ganzen Monat planen – bis zu den Weihnachtsferien war es jedoch gut organisierbar. Besonders wertvoll war, dass ich mich in der Zwischenzeit mit @herzundpfote zusammentun konnte. Roland, der mit seinem Hund Coachings anbietet, hat mich während der gesamten Time-out-Phase enorm unterstützt.

Wir haben uns zusammengeschlossen, Arbeitspläne erstellt und die Tagesabläufe strukturiert. Da das Angebot mehrheitlich 1:1 und oft alleine stattfindet, gab es viel Austausch per Handy, vor Ort und online.

Ich musste Formulare erstellen, die für mich komplett neu waren. Zudem waren schlussendlich mehrere Personen involviert, weshalb ich Hausregeln, Arbeitspläne und Arbeitsabrechnungen ausarbeiten musste – alles Dinge, die mir zuvor nie wirklich in den Sinn gekommen wären. Diese Zeit war extrem anstrengend, aber auch sehr lehrreich. Willkommen im Unternehmertum.

Stressig war auch die Phase mit Fragen wie: „Können wir nicht nochmals verlängern?“, „Wir brauchen noch Zeit“, „Es gibt noch keine Lösungen, wie es weitergeht.“ So mussten immer wieder spontane Entscheidungen getroffen, das Team neu angefragt und Einsätze koordiniert werden. Innerhalb eines Monats konnte ich sechs Personen für den Einsatz einplanen – etwas, das mich sehr gefreut hat, aber auch fordernd war. Gespräche führen, den Waldhuis-Groove vermitteln und Erwartungen klären gehörten ebenfalls dazu.

Schlussendlich durfte ich auf Personen zählen, die einen grossartigen Job gemacht haben. Ohne sie wäre das Ganze sicher nicht so erfolgreich verlaufen.

Und das Time-out an sich?

Klient X, im Teenageralter, ADHS. Er wurde aus einem Setting genommen, in dem er eigentlich gerne geblieben wäre. Dennoch wurde entschieden, dass eine Pause notwendig ist.

Der erste Monat – die Zeit bis zu den Weihnachtsferien – war eine Phase der Eingewöhnung. Die neue Umgebung wurde zunächst sehr zurückhaltend angenommen. Natürlich gab es immer wieder Testphasen: Wie reagierst du, wenn ich mich so verhalte? Was kommt zurück?

Typische Fragen und Aussagen waren:

Wann kann ich zurück?
Wie lange muss ich noch hier sein?
Ich habe doch gar nichts gemacht.
Ich weiss nicht.
Ich will nicht hier sein.
Scheiss Brünig.

Viele repetitive Fragen – Fragen, die Sicherheit geben oder Sicherheit vermitteln sollten. Der Klient musste zwischendurch auch damit konfrontiert werden, dass er nun hier ist und vorerst nicht zurückkehren kann. Das war verständlicherweise nicht einfach, konnte jedoch durch klare Abläufe, Struktur, systemisches arbeiten in der Natur und Gelassenheit gut aufgefangen werden.

Besonders eindrücklich waren die Coachings mit dem Hund Jaro. Auch das Verhalten des Klienten gegenüber dem Hund entwickelte sich bemerkenswert: von „Jaro ist nicht mein Freund“ hin zu „Er ist mein Freund“. Am Ende konnte er ihm Kommandos geben, und der Hund hörte auf ihn. Ein sehr eindrücklicher Prozess.

Von „Ich will hier nicht sein“ bis zu „Darf ich wieder kommen?“ durchliefen wir zwischen Dezember und Februar eine grosse Gefühlspalette. Am Schluss stand ein klares: „Ja, ich weiss. Ich mache. Ich bemühe mich. Ich verstehe.“

Professionalität hin oder her – persönlich mitzuerleben, wie sich ein Mensch entwickelt, wenn man ihm Sicherheit, Struktur und Raum zur Veränderung gibt, ist etwas ganz Besonderes. Zu sehen, welche Fortschritte in dieser Zeit möglich sind, macht stolz. Auch wenn man manchmal denkt: „Bleib doch noch.“

Doch ein Time-out hat ein Ende. Man darf – und muss – die Person ziehen lassen. Zurück in den Alltag, in eine andere Struktur, in eine andere „Bubble“.

Ich drücke dir fest die Daumen. Mögen deine Wünsche in Erfüllung gehen. Bleib an deinem Ziel dran – du schaffst das.

Bis bald und schön warst du da

Michi

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Auch im Winter gibt es Entlastungen im Waldhuis